Farben haben eine Ausstrahlung. Eine Farbe alleine kann eine klare Bedeutung haben. Kommt eine zweite Farbe dazu, verändert sich unvermeidlich die Wirkung beider Farben. Aber sind die beiden Farben Komplementärfarben, ist das keine sanfte Verschiebung mehr. Der maximale Kontrast ist eine visuelle Explosion.
Wer das Duo aus Jasper van’t Hof und Peter Materna hört, spürt sofort das Aufregende in diesem Zusammentreffen grundverschiedener Temperamente. Hier der extrovertiert stürmische Pianist, dort der lyrisch meditative Saxophonist. Der Kontrast schafft eine elektrisierende Spannung: wie die beiden durchs Drunter und Drüber, durch Impulsives und Filigranes, mal wühlend, mal tänzelnd immer wieder traumhaft sicher ins Ziel finden, ist ein fulminantes Hörerlebnis. Kompositionen der beiden wechseln sich ab mit Standards im neuen – farbenfrohen! – Gewand.
Jasper van’t Hof begann als Fünfjähriger mit dem Klavierspiel. In den 70ern wurde er mit „einer abenteuerlichen Mixtur aus Jazz, Rock und freier Improvisation“ (Bert Noglik) in der Band Association P.C. bekannt, 1972 wurde er zum führenden europäischen Synthesizer-Spieler gewählt. Gemeinsam mit u.a. Charlie Mariano entwickelte er in der Band Pork Pie sehr erfolgreich neue melodische Varianten im Jazzrock. 1984 schlug er mit Pili Pili ein komplett neues Kapitel auf. Die dancefloor-taugliche Mischung aus europäischem Jazz und afrikanischer Musik erreichte ein ganz neues Publikum. Heute präsentiert sich van’t Hof so vielseitig wie nie: ob elektronisches oder akustisches Solo-Projekt, ob Melodica oder Kirchenorgel, ob im Duo oder in großer Besetzung: der Weltmusiker macht einfach das, was er kann. Alles.
Peter Materna, Festivalleiter des Bonner Jazzfestes 2026, ist als Saxophonist ein Klangforscher. Deutlich präsent ist seine Heimat im Jazz, aber auch klassische Harmonien und Soundexperimente mischen sich darunter. 1989 gründete er mit Kommilitonen seine Band Jazz Contract, später Peter Materna Quartett, die 20 Jahre zusammenspielte. Auftritte mit Marc Copland, Christopher Dell, Olivia Trummer und dem Bonner Beethoven Orchester. Nach Aufnahmen mit u.a. einer Auftragskomposition der Internationalen Ludwig van Beethoven Stiftung, mit Künstlern wie Florian Weber, Gunnar Plümer, Yayo Morales, Lisa Wulff und Silvian Strauss sowie Solo-Projekten ist die Arbeit mit van’t Hof sein vierzehntes Album. Peter Herbolzheimer, bei dem Materna im Bundesjazzorchester spielte, sagte über ihn: „Er gehört zu der Handvoll von jungen Musikern, die man zur Spitze zählen kann.“
Jasper van’t Hof & Peter Materna, „Duets“ als CD, LP, Streaming. Erscheint im Herbst 2025.